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©Dr.Liethen www.dr-liethen.info

Ein bekanntes  Beispiel für das mangelnde Wissen der Zahnärzte zu dieser Zeit  ist  Karl V (1500-1558), Kaiser des römischen Reiches Deutscher  Nation und spanischer König. In seinem Reich ging die Sonne nicht  unter, aber der Kaiser litt an einer solch extremen Progenie
( Vorstehen des Unterkiefers), daß er Probleme beim Sprechen hatte und  eine Nahrungsaufnahme  mit sehr großen Hindernissen verbunden  war. Auf dem Bild von Christoph Amberger (ca 1532) ist deutlich der  offene Mund zu sehen, den der Kaiser nicht schließen konnte. Selbst  die Zeitgenossen machten sich Gedanken darüber und Karl warnte den  französischen König Franz, daß er ‘ob seines Mundes nicht  erschrecken solle. Er werde ihn ganz gewiß nicht beißen’ . 
Diese  Fehlstellung ist erblich und bei den meisten Mitgliedern der  spanischen Habsburger nachzuweisen.  Das Erkrankungsbild wird  daher Habsburger Progenie genannt.

Karl V [Portrait von Christoph von Amberger, um 1532]
Bild
wikipedia (GNU-Lizenzfür freie Dokumentation)

Um 1530 erschien das erste Buch der Zahnheilkunde in deutscher Sprache :
Arzney Buchlein wider allerlei kranckheyten und gebrechen der tzeen’ dessen Verfasser leider unbekannt ist
.

Bereits im 16.Jahrhundert konnten sich wohlhabende Patienten Füllungen in kariösen Zähnen legen lassen. Dabei wurde die Karies allerdings noch nicht vollständig entfernt, da es nur sehr primitive Bohrer gab.

Das Bild zeigt einen Zahn der Prinzessin Anna-Ursula von Braunschweig-Lüneburg mit einer Amalgam- und einer kleinen Goldfüllung.
Das Amalgam war in China bereits gegen 700 n.Chr.entwickelt worden.

Quelle: ‘Quintessenz’
mit freundlicher Genehmigung des
Autors

Die Haupttätigkeit der Zahnbehandler lag allerdings im Ziehen der Zähne.

Wenn bei den Heiligen keine Hilfe zu finden war, mußten die bedauernswerten Patienten zu Quacksalbern, Barbieren oder fahrenden Chirurgen gehen. Diese übten ihre ‘Kunst’ auf Jahrmärkten und anderen Veranstaltungen aus.

Oft dienten ihre Tätigkeiten auch als Belustigung für die glücklicheren Mitbürger.Erst mit der Zeit kam die Einsicht, daß die Behandlung sauberer und sicherer in einem Raum ausgeübt werden konnte, und die Idee einer Praxis konnte sich durchsetzen. Aber noch bis in das 19.Jahrhundert hinein gab
es fahrende Chirurgen.

‘Der Bauer beim Zahnarzt’
Gemälde von Johann Liss (um 1616)
Quelle:
wikipedia

‘Der Zahnbrecher’ (um 1568)
Quelle:
wikipedia

Einige der Instrumente aus der Zeit, die sich über die Jahrhunderte wenig verändert haben.

Diese Zange aus dem (vermutlich) 18.Jahrhundert ist den heutigen Zangen bereits sehr ähnlich. Der Griff ist auf der einen Seite wie ein Hebel zum Herausbrechen der Zähne ausgeformt.

Auch dieser Zahnschlüssel wurde zum Ziehen der Zähne benützt.
Dabei wurde der Haken links an der Wurzel angesetzt und das Gerät so gedreht, daß der ganze Zahn aus dem Knochen gehoben wurde. Da die Kraft auf der Schleimhaut angesetzt werden mußte, kam es dabei häufig zu größeren Komplikationen. Dennoch war das Gerät lange Zeit in Gebrauch.

Zahnschlüssel

Was geschah, wenn die Zähne gezogen waren, können Sie auf der Seite ‘17.und 18.Jahrhundert’ sehen.

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